Willkommen, Türkei – Türkiye, karşılama

(Hm, hoffentlich stimmt das jetzt so.)

„Kitap“ heißt „Buch“ auf Türkisch. Das habe ich nicht aus dem Programmheft zum Tübinger Bücherfest, sondern aus eigener Erinnerung & Internet. Aus Letzterem habe ich – ich gestehe es! – auch den obigen Gruß her. (Ich habe mich nur noch an „Merhaba“ erinnert.)

Das schon mehrfach erwähnte Programmheft durchblätternd, stoße ich auf … alles Mögliche, nur nichts Türkisches. Nicht einmal das Grußwort oder die Einleitung wurden übersetzt. Offenbar rechnete man nicht mit Gästen aus dem „Gastland“, obwohl es in Tübingen einen Türkischen Verein, eine Moschee (naja, ein umgewidmetes normales Haus) und etliche Läden in türkischer Hand gibt.

Dann aber wenigstens türkische Literatur!

Naja, die gab es natürlich. Acht Veranstaltungen, davon fünf Lesungen türkischer Autorinnen und Autoren:  Perihan Magden (»Ali und Ramazan«),  Oya Baydar (»Das Judasbaumtor«),  Gaye Boralioglu (»Der hinkende Rhythmus«),  Alper Canigüz (»Secret Agency«),  Mario Levi (»Wo wart ihr, als die Finsternis hereinbrach«). (Alle übrigens in Istanbul geboren und/oder lebend. Schreiben Nicht-Istanbuler nicht? Oder werden sie nur nicht wahrgenommen bzw. übersetzt?) Dazu eine Text-Foto-Ausstellung von Müjde Karaca (geb. in Bamberg), ein Vortrag über Yasar Kemal, einer über türkisch-deutsche Einwandererliteratur.

Vermutlich gab es auch türkische Büchertische in ein paar Buchhandlungen, hoffentlich ein paar mehr und bessere als die Antiquariatsstände zu bieten hatten:

Impressionen vom Buecherfest TŸbingen, 8. Juni 2013: Bücher aus der und über die Türkei

Ja, das war tatsächlich alles, was ich entdeckt habe!

Natürlich konnte man sich gegen aktuelles Geschehen nicht ganz abschotten. Der Platz vor der Stiftskirche mutierte kurze Zeit zum Taksim-Plätzle, wie das Tagblatt textete. Türkische Studenten und einige Mitstreiter demonstrierten dort Solidarität mit den Istanbuler Protestierenden.
(Wenigstens ein Teil der Stuttgart-21-Gegner hätte sich ruhig dazustellen können! Schließlich war auch in Istanbul der Protest-Auslöser das geplante Niedermachen eines Parks. Auch wenn der keinem Bahnhof, sondern einem Einkaufszentrum weichen soll.)

Nicht einmal der Gastredner vom türkischen Generalkonsulat in Stuttgart konnte (oder wollte?) das Thema verweigern; er sprach sich immerhin „für das Recht auf Freiheit und friedliche Demonstrationen […] aus“ (und wechselte dann schnell wieder zur offenbar als gänzlich unpolitisch oder zumindest harmlos empfundenen Literatur).

Zumindest Magden und Levi hielten sich da weniger zurück und äußerten sich ausgiebiger zur Lage in der Türkei. In Magdens Roman »Ali und Ramazan« spielt ja sogar der Gezi-Park eine Rolle.

(Beides Berichten des Schwäbischen Tagblattes entnommen. Bei diesen Vorträgen war ich leider nicht dabei, und den Roman lese ich erst noch.)

„Gibt es sie, die Literatur, die gegen […] Herrschaft(en) und Verhältnisse anschreibt?“
(Leserbriefschreiberin im Schwäbischen Tagblatt am 12. Juni)

„Wenn ich kritische Leser fördere, tue ich etwas für die Gesellschaft.“
(Prof. Jürgen Wertheimer, Artikel im Schwäbischen Tagblatt am 10. Juni)

Eure Irja.

P.s.: Selbst ein Vampirroman kann ja kritikfördernd sein. Wer hätte das gedacht?

P.p.s.: Bilder aus Istanbul gibt’s u.a. im Blog „Radeln fürs Bleiberecht„, Reiseberichte.

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