E-Books: ein Rückschritt?

Liebe Lesende,

weiter geht es mit meinen eigenen Betrachtungen zu E-Books, auf Grundlage von Herrn F. Forssmans E-Book-Pamphlet.

Zunächst setzt er gedruckte Bücher als die Neuerung, über die nichts mehr hinausgehen wird (oder darf). Hätten unsere Ahnen ebenso gedacht, gäbe es bis heute allenfalls Bildchen, in Stein geritzt.

Die Vorteile, die gedruckte Bücher aufwiesen, meint er, gingen bei E-Books wieder verloren. – Wirklich?

Gedrucktes sei einfach herzustellen, stellt er fest, daher in zahlreichen Exemplaren verteilbar, daher könne es nicht mehr „versehentlich verlorengehen“. (Außerdem scheint er zu meinen, dass Gedrucktes „im Gegensatz zu Handschriften“ nicht gut brenne – Schön wär’s!)

Die einfache Herstellung von gedruckten Büchern war anfangs nur bedingt gegeben. Und die richtig vielfache Vervielfältigung verdanken wir … jawohl: der digitalen Technik. Im Grunde ist heute schon (fast) jedes Buch ein E-Book, bevor es zum Drucker geht.

Nähme man diese Dateien und stellte sie als E-Book ins Web, gäbe es noch viel, viel, viel mehr Kopien davon. Vor allem: wären sie viel mehr Leuten zugänglich.

Verloren gegangen sind auch schon viele gedruckte Bücher, zumal aus den Anfangszeiten des Drucks. Tja, sie brennen halt eben doch gut … Oder wurden zerlesen, als Schuheinlagen benutzt, als Wärmeisolierung verklebt, eingestampft etc. Es gab auch schon Bücher, deren Auflagen vollständig aufgekauft und vernichtet wurden. Und wie lange mag wohl Gedrucktes auf saurem Papier halten?

Gedruckte Texte würden korrigiert, behauptet Herr F. – Es wäre schön, wenn es so wäre. Aber weder war das in der Anfangszeit des Buchdrucks immer der Fall, noch ist es das heute, zumindest lässt es stark nach, und das ist nicht Schuld der E-Books.

Die Verlässlichkeit von Texten ist ebenfalls nicht an ihre Darreichungsform gebunden, sondern an die Sorgfalt der Autoren, Lektoren, Verleger.

Und zitierfähig sind sowohl Web-URLs als auch – selbstverständlich – E-Books. Man muss sich nur auf neue Zitierweisen einigen und einlassen.

Bücher erschwinglich anzubieten, ist heute durch E-Books mehr denn je gegeben.

Wer alles mit E-Books Geschäfte wird machen können, muss sich tatsächlich noch zeigen.

Angesichts von immer mehr Verlagen, die Korrektorat, Lektorat und sogar Satz auf die Autoren abwälzen, wäre es kein Wunder, wenn künftig vom Autor bezahlte Publikationsdienstleister an deren Stelle träten. Auch die Aufgaben der Buchhändler könnten sich in Zukunft noch stärker verschieben, zum Beispiel in Richtung Berater und Lesungsveranstalter. Bislang leben Buchhandlungen, die einerseits mit der Zeit gehen und sich andererseits nicht an Größenwahnprojekten „verheben“, allerdings noch ganz gut und expandieren sogar. (Ein Beispiel dafür hat seinen Stammsitz in Tübingen.)

So mancher Tradition trauere auch ich nach, schon jetzt. Aber das ist keine Frage von E-Book versus Print, sondern von Überkommerzialisierung versus – tja, was? Vielleicht „Liebe zum Buch“.

Eure Irja.

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2 responses to this post.

  1. Genau, in erster Linie geht es um den Inhalt!
    Na gut, ein richtig schön und gut gemachtes Buch schätze ich immer noch, und einen pergamentenen, ledergebundenen Zufallsfund würde ich auch nicht am Straßenrand liegen lassen. 😉 – Aber ich habe schon genug Printausgaben gehabt, die irgendein Möchtegern-Besserwisser von Lektor/Verleger meinte, gekürzt oder gar „umgeschrieben“ herausgeben zu müssen. (Also: nicht mit originalem Inhalt.) Ohne dies im Impressum zu vermerken. So etwas finde ich zum ***. Ist aber eben kein Problem von E-Books.
    Und so einige Kiloschwarten habe ich schon verflucht, weil sie furchtbar ungemütlich und unpraktisch zu lesen waren.
    Allerdings: Wären Dostojewskis Romane nur digital herausgekommen, wären sie heute wahrscheinlich nicht mehr lesbar, weil: veraltete Codierung. Weg. Futsch.
    Liebe Grüße, Irja.

    Antwort

  2. Klar, digitale Sachen kann man schneller löschen als ein Buch verbrennen, das ist aber eben mit den digitalen Sachen so.
    Nur wer in Papier vernarrt ist, wird ein Buch bevorzugen.
    Für mich ist das mit dem eReader viel besser.
    Es macht mir erst jetzt Spaß und will lesen.
    Bei so einem Buch seh ich den Rücken und wie dick der ist, da habe ich schon deswegen keine Lust.
    Es geht doch eigentlich um den Inhalt und nicht um den Umschlag und die Blätter.
    Und wenn es immer noch gelesen wird, egal auf welche Weise, dann ist es immer noch besser, als wenn es gar nicht gelesen wird.
    Buch oder ebook, was macht dir mehr Spaß ist die Frage.
    Liebe Grüße, Gregor

    Antwort

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