E-Books und das Märchen von der temporären Lizenz

Liebe Lesende,

wer ein E-Book erwirbt, erwerbe „nur eine Lizenz“, tönt es allenthalben und tönt auch Herr Forssman. Womit er sich zum willigen Handlanger (weil Einpauker) eben jener Entwicklung macht, die er da beklagt, die aber mit E-Books an sich nicht unbedingt etwas zu tun hat (oder haben muss).

(Vorsicht! Folgendes habe ich nicht juristisch formuliert, sondern „normalsprachlich“, um Prinzipien zu erklären.)

Im Normalfall bekommt man bei Erwerb eines E-Books das Nutzungsrecht für die heruntergeladene bzw. auf CD, DVD o.ä. gespeicherte Datei. Diese ist logischerweise eine „Kopie“ einer Originaldatei. Da Dateien zum Bereich „Digitale Welt“ gehören, richtet sich auch die Sprache danach, und da heißt es eben, dass man für die Benutzung einer Datei eine „Lizenz“ erhält.

Nehmen wir an, ich würde ein kleines Malprogramm auf einer DVD kaufen. (Vermutlich anachronistisch, aber ich habe einst noch Programme auf Disketten gekauft. Jaja!) Vielleicht gehört dazu auch noch eine PIN, die ich bei Installation des Programms eingeben muss. (Installation, nicht Anwendung!) – Dieses Programm (also: Kopie des originalen Programm-Codes) gehört mir dann, samt PIN. Ich kann es weiter verkaufen. Ich kann es verschenken. Ich kann es vererben. Ich muss nur darauf achten, dass ich dem neuen Besitzer die PIN ebenfalls mitgebe. (Und eng-rechtlich gesehen darf ich das Programm dann selber nicht mehr benutzen, klaro.)

Dasselbe kann ich selbstverständlich mit einem E-Book tun.

Es sei denn … Ja, es sei denn, ich habe mich auf andere Nutzungsbedingungen eingelassen.

Etwa so, wie wenn ich ein gedrucktes Buch aus einer Bücherei ausleihe und dafür z.B. Leihgebühr zahle. Das darf ich auch nicht weitergeben, nur eine befristete Zeit lang behalten, und kopieren darf ich es, mal so rein rechtlich gesehen, ebenfalls nicht.

Aber ich habe 10 Euro dafür bezahlt!

Und die findest Du jetzt zu viel? Entschuldige, aber: selber schuld. Ich würde eine so teure Bücherei meiden.

Das Problem ist, dass sich viele von uns „modernen“ Menschen im digitalen Bereich einen Bären nach dem anderen aufbinden und von Marktschreiern vergackeiern lassen. Und wie alle erfolgreichen Händler nutzen natürlich auch E-Book-Vertreiber das Unwissen ihrer Kunden weidlich und schamlos aus. Wenn sich nicht so viele Leute in naivem Fatalismus („Das ist halt so, das muss so sein“) auf fragwürdige Deals einlassen würden, würden derlei Geschäfte bald eingehen.

Das ist aber ein Problem unserer Noch-nicht-so-richtig-Computer-Gesellschaft bzw. einer Gesellschaft, die sich, ohne zu meckern, alles aus der Hand nehmen lässt.

Das ist nicht das Problem von E-Books.

Eure Irja.

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