Hilfe! Man kann mich kontrollieren!

Liebe Lesende,

anfangs habe ich gar nicht verstanden, was Herr Forssman meint, wenn er über E-Book-Accounts jammert oder darüber, dass sein Leseverhalten „von höherer Stelle mitgeschnitten werden“ könne. Wie? Was? Hat er eine immer offene Standleitung mit Webcam am Lese-Rechner? Oder fürchtet er, sein Reader sei NSA-verwanzt?

Bis ich auf das Wörtlein stieß: „Cloud“.

Ach du meine Güte.
Ja, wie naiv ist das denn?!

Also … Wenn ich in einem öffentlichen (oder jedenfalls leicht zugänglichen) Raum lese und dann meine Bücher und Unterlagen und alles, was ich anmerke, notiere usw., dort liegenlasse, muss ich mich nicht wundern, wenn die Sachen womöglich von Neugierigen durchgesehen werden.

Und wenn ich diesen Raum auch noch von einer, sagen wir: modern-ökonomisch denkenden Verlagsbuchhandlung gemietet habe, deren Bücher eben dort lese und bei jeder Leseunterbrechung mit Lesezeichen, Anstreichungen, Notizen etc. gespickt liegen lasse – ja mei, da brauch‘ ich mich nicht zu wundern, wenn diese „Büchermacher“ sich ein genaueres Bild von mir, ihrem Kunden, machen!

Das hat aber wiederum mehr etwas mit modernem Geschäftsgebaren und modernen Kontrollwünschen „höherer Stellen“ zu tun als mit E-Books.

Naja. Wir „Modernen“ sind ja recht gut darin, uns quasi mitten auf dem Marktplatz auszuziehen, zu duschen und intimste Gespräche zu führen, dann aufzuregen, wenn uns ein pfiffiger Händler passende Waren anbietet, um im selben Atemzug unschuldig zu sagen: „Was denn? Ich habe doch nichts zu verbergen!

Ich für meinen Teil pflege meine E-Books offline (und teilweise sogar an einem nicht mit dem Netz verbundenen Rechner) zu konsultieren. Geht prima.

Eure Irja.

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7 responses to this post.

  1. Hi Loretta,
    klar plappern Herr F. & Co. bloß nach. Das Thema wird ja in fast jedem 2. oder 3. Feuilleton in ähnlichem Tonfall präsentiert, und das nun schon länger. :-/

    Antwort

  2. Tja, „Neuland“ ist halt sooo neu, und wat so Herrn nich kennen, dat fressen se nich. Das ängstigt sie. Und statt es sich näher anzusehen und echte Argumente abzuwägen, schreien sie Zeter & Mordio.
    Bei einem Herrn Irgendwer hätte ich wohl wieder die Schultern gezuckt. Aber der Mann ist ja offenbar „wer“ in der „Kulturszene“ Schlands, und mir geht dieses Gejammere von den „höheren“ Rängen zunehmend auf den Geist.

    Antwort

  3. Ich sollte mich dann wohl als Hochverräter alles Guten und Aufrechten fühlen, nutze ich für meine eBooks doch vorsätzlich (!) die Vorzüge der pöhsen Cloud im Amazonas, und nehme dafür in Kauf, dass die dort ansässigen Fischhändler wissen, was mir besonders gut schmeckt. Und kann trotzdem nachts durchschlafen, ohne alpin zu träumen.

    Antwort

    • LOL!
      Man sollte halt wissen, was man tut (und was alles gemacht wird), und sich nicht am Ende wundern!
      Meintswegen kann jeder, der will, auf dem Marktplatz schlafen oder seinen Kleiderschrank an die Straße stellen, damit jeder reinschauen kann, solange _ich_ da nicht mitmachen muss.

      Antwort

      • Der Sache mit dem Kleiderschrank auf dem Marktplatz kann ich in Bezug auf exhibitionistisches Verhalten bei Facebook, Twitter & Co. vollständig zustimmen (ich werde nie nachvollziehen können, wieso manche sich im Netz öffentlich mehr als nur ein bisschen nackig machen), bei den Amazonen sehe ich es (für mich!) etwas anders. Mein Einkaufverhalten kennen die bereits im Detail, das lässt sich schlecht vermeiden, da verursachen mir ein paar weitere Details zu den gelesenen eBooks im System keine Bauchschmerzen.

        Die würde ich bekommen, wenn z.B. eine Schlandmail-Adresse für Behördenkommunikation mit eingebauter Sollbruchstelle zum besseren Abschnorcheln Bürgerpflicht würde (da träumen die doch von). Oder beim Gedanken daran, dass meine tolle, neue KK-Mitgliedskarte im Vorbeigehen mit ein klein wenig krimineller Energie auslesbar ist, und dass sich diverser Lobbies sei Dank garantiert nicht nur Kasse und Ärzte an diesen Daten auf den Servern bedienen werden, und das ganz legal, ohne dass ich dagegen etwas tun könnte.

        Mit anderen Worten: ich hab meine durchaus vorhandene Datenparanoia so abgerichtet, dass sie ihre Energie nicht an Nebenkriegsschauplätzen und Nebelkerzen verpulvert. „Lesen in der Cloud“ betrachte ich als eben solche.

      • Stimmt! (zu allem)
        Ich staune nur, wenn jemand, wie offenbar Herr F., ins Wolkenschloss zieht und sich dann wundert, dass alles zuschauen kann. Oder eben im Amazonas mal was weggespült wird. Diese Möglichkeiten sollte man halt in Betracht ziehen.
        Dann kann das Wolkenschloss durchaus praktisch sein.
        Bleibt generell das Problem des Hinnehmens von Abschnorcheleien & Co. (und was man überhaupt dagegen machen könnte). Aber das ist ein Thema, das nicht nur E-Bücher betrifft.

      • Ich habe den starken Eindruck, dass Herr F. vor allem nachplappert, was in sein Weltbild passt, statt sich mit dem Thema eBooks und Cloud (und dem ganzen Rattenschwanz daran) ernsthaft auseinanderzusetzen, dementsprechend hanebüchen sind auch einige seiner Behauptungen. Auf Diskussionen über das große Problem des Datenschutzes im Netz in all seinen Facetten kann ich auf _diesem_ Niveau gerne verzichten…

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