E-Books: flexibel bis zur Unkenntlichkeit?

„Die Form des E-Book-Textes auf dem Reader ist zufällig, frei wählbar und bestenfalls eine Zumutung“, schreibt Herr Forssman.

Nun weiß ich nicht, was für Reader er bisher benutzt und was für Einstellungsversuche er damit gemacht hat. Schon dass die Form „frei wählbar“ ist, widerspricht eigentlich ihrer ‚Zufälligkeit‘, es sei denn, die Benutzer wissen nicht, was sie tun.

Mein Eindruck von E-Book-Reader-Displays war bisher meist ein recht guter, und Menschen mit Sehschwäche kann ich E-Books nur empfehlen – im Gegensatz zu manchem klein und eng bedruckten Bleiwüsten-Print-Buch.

Auch die Schrift ist oft nach Gusto einstellbar – endlich kein pseudo-moderner Zwang zu Serifenlosen mehr! Ah, eine Wohltat!

„Nach Gusto“ heißt freilich: nach Gusto der Leserin und des Lesers.

Der Textsatz, bisher (sofern gut gemacht) zu gutem Aussehen, Lesbarkeit und sogar Verständlichkeit eines Textes beitragend, bleibt auf der Strecke.

Keine sinnvollen Trennungen mehr (manchmal stattdessen falsche). Kein Vermeiden mehr von Hurenkindern und Schusterjungen. Aufweichen von Texträndern und -proportionen, von Umbrüchen und Kapitelwechseln ohne zu viel Weißraum.

Natürlich kann, nein: muss auch ein E-Book noch layoutet werden. Dies aber nach anderen Kriterien als denen des Buchsatzes im Druck.

Freilich: Wieviele Layouter im Printbereich beherrschen ihr Handwerk denn noch wirklich? Wieviele wissen denn noch um Proportionen von „Textkörper“, „Weißraum“, Schriftgrößen usw.? Viele gedruckte Bücher unserer Zeit sagen mir: nicht mehr viele.

Auch hier ist es also keineswegs das böse E-Book, das den Verfall guter Lesbarkeit und Ästhetik (und womöglich guter Sitten ;–) ) mit sich bringt. Dieser Prozess hat längst vorher eingesetzt. Und so beklagbar er ist: Als Argument gegen E-Books taugt er nicht.

Eure Irja.

P.s.: Ach ja, sogar das Cover eines E-Books kann sich der Lesende im Prinzip frei wählen! Hui! Damit kehren wir sogar wieder zu einer „guten alten“ Tradition zurück: Der Lesende lässt den Buchblock selber binden, bestückt das Buch also mit Cover und Aufschrift nach eigenem Geschmack und Bedarf. Kein Ärger mehr über absolut unpassende Cover. Na, wenn das nichts ist! 😉

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