Schweinehundmäßige Schreibvermeidung

Manche Schweinehunde lassen sich gut mit Plotplan, Storylines & Co. vertreiben. Manche weniger gut.
Die „Schreibvermeidung“ zum Beispiel.

Meinem Eindruck nach sind Autorinnen da verwundbarer als Autoren. Irgendwie sind Männer ein bisschen besser darin, sich das zu gönnen, was sie gerne tun, und Gründe dafür zu finden, warum sie genau das genau jetzt tun müssen – und nichts anderes.

Unsereins hat den Kopf voll mit Alltagslogistik, womöglich Familienmanagement, und wenn wir nicht gerade gutes Geld mit dem Schreiben verdienen, gibt es von morgens bis abends tausend Dinge, die dräuend neben uns stehen und raunen: „Ich bin wichtig! Ich muss getan werden! Ich bin viel wichtiger als deine blöde Schreiberei!“

Und aus isses mit Ruhe und Konzentration.
Da steht es wieder, das Schlechte Gewissen, das selbst nach einem 18-Std-Tag noch zuschlägt: „Auf! Den Feudel geschwungen! Die Kindlein abgeholt! Den Hund gefüttert! Husch-husch! Wer soll es machen, wenn nicht du? Schreiben kannst du, wenn du …!“

Ja, wann eigentlich? Notebook im Grab verbietet die Friedhofsordnung, und so arg lange hält so ein Akku dann auch wieder nicht.

Manche Autorinnen und Autoren (ja, doch – Pointierung in allen Ehren, aber spätestens der Job nivelliert den Zeit-habe-Unterschied zwischen Männlein und Weiblein) schaffen es, frühmorgens oder spätabends „noch schnell“ am Text zu arbeiten. Andere hangeln sich zeilenweise hindurch, indem sie jede freie Viertelstunde zum Schreiben nutzen.

Eigentlich beneidenswert. Ich schaffe das nicht. Ich komme dann einfach nicht in den Text hinein.

Ich habe Glück. Mir hat ein lieber lesehungriger Mensch einen Zettel an den Monitor gehängt: Deine Pflicht ist es zu schreiben! Ich will wieder was lesen! Schreib!!“ – Das klappt nicht immer, aber erstaunlich häufig.

Außerdem habe ich mir für alle Fälle feste Schreibtage bzw. Schreibstunden eingerichtet, an denen ich – wenn das Lebensnotwendige des Tages erledigt ist – wirklich nur schreibe (na gut, Recherche odr Plotgerüstbasteln ist auch erlaubt ;–) ). Andere haben ihre festen Chor-, Sport- oder Sonstwas-Zeiten, ich schreibe. Keine Störung erlaubt, kein anderer Termin und auch keine eigene Ausrede. Funktioniert gut.

Wer keine festen Schreibzeiten einrichten kann, der versuche es mit Zeit-Gutscheinen. Verschiebbare Platzhalter im digitalen Wochenplan. Handgemalte Karteikärtchen fürs Klemmbrett. Ausgedruckte Streifen für den Kalender. Irgend so etwas. Wichtig: sie müssen am Ende jeder Woche aufgebraucht sein! Längere Schreibpausen sollten nicht vorkommen, wenn man’s „ernsthaft“ betreiben will.

Und dann gibt es ja auch noch die NaNoWriMos. „Schreibcamp“ im Sommer oder den eigentlichen Novel Writing Month im November. Notfalls opfert man dafür ein paar Urlaubstage. Aber bitte: auch von Freunden, Familie & Co.! Die haben erst dann was zu melden, wenn der Schreibplan des Tages erfüllt ist! So einen NoWriMo sollte jede & jeder Schreibende wenigstens 1x ausprobiert haben. Es ist erstaunlich und lehrreich zu sehen, was da auf einmal alles möglich ist.

Eure Irja.

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11 responses to this post.

  1. Hat dies auf Wunderwaldverlag rebloggt und kommentierte:
    Wegen der Überschrift rebloggt 😉 So was von wahr!

    Antwort

  2. Ich bin ein großer Fan solcher Schreibmonate!

    Antwort

    • Bei mir kommt zu viel Mist dabei heraus, wenn ich nur noch nach Wörterzahl oder Anschlägen schreibe. Und ich merke, dass ich regelmäßig schreiben sollte, um „drin“ zu bleiben. – Aber als äußere Stütze, um ein Projekt durchzuziehen (oder ggf. um es fertig zu schreiben), ist so ein Schreibmonat klasse.

      Antwort

      • Naja, da ich die meiste Zeit schnell tippe (ich denke halt auch sehr schnell), ist das bei mir kein Problem. Allerdings setze ich mir meist auch keine Tagesziele. Da gibt es dann mal Tage mit 7.000-10.000 Wörtern und Tage, an denen ich gar nicht schreibe 😉 Es motiviert mich durchaus, um die Wette zu schreiben. Bei Schreibtouren o.ä. mache ich aber tatsächlich einige Tippfehler, weil ich ZU schnell schreiben will ^^

      • Am Tippen liegt’s bei mir ganz und gar nicht. Manchmal tippe ich selbst dem Computer zu schnell. 😉 Aber ich denke immer viel darüber nach, wie ich was ausdrücke, suche nach bestimmten Wörtern, etc. Einfach nur Runterschreiben, liegt mir nicht.

      • Ah, verstehe. Wenn ich das zu sehr mache, dann komm ich nicht voran. Zu perfektionistisch meist. Das hole ich dann hinterher nach 😀 Verstehen kann ich es aber und kenne ein paar Leute, denen es auch so geht 🙂

      • Stimmt, der Perfektionismus ist eine böse Falle bei so was. Hat mich auch schon oft reingelegt. Ich muss das Mittelmaß finden, dann geht es am besten. Wenn ich zu schnell runterschreibe, kommt mir zu viel Mist rein, der schreckt mich dann beim Überarbeiten (muss ich ja auch) dann zu sehr ab, 😉

      • Kann ich verdammt gut verstehen 🙂

  3. *Schmunzelt* Das kenn ich nur zu gut. Eigentlich sollte man noch etwas Schreiben, aber da möchte man doch gerade lieber etwas anderes machen.
    Bei mir ist es dann meist so, dass ich noch eben das Tagessoll erfülle, das Tablet weg lege und dann eben das andere mache.
    Familie ist natürlich die Oberschreibvermeidung schlecht hin. Dies und das und jenes solle man doch bitte noch machen. *verdreht die Augen* Geht mir das manchmal auf die Schnurrhaare!
    Aber naja… ist eben Familie.

    Antwort

    • Genau!
      Solange Familie einem nicht ohne Not sämtliche Zeit wegfrisst, ist das halt so und soll auch recht sein. Andernfalls … hm … mal nach möglichen Bremshebeln schauen. 😉

      Antwort

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