Der neue Roman und seine Sprache

Liebe Lesende und Schreibende,

Altisländisch für Anfänger?!

Jein. Aber mit »Würmerfraß« habe ich mich mitten in ein Wespennest von Fürs und Widers gesetzt. Nämlich in das Wespennest der großen Diskussion, ob und wie man Fremdsprachen (oder auch Dialekte) in eine – noch dazu völlig fiktionale – Geschichte einfließen lassen sollte.

Bewegt sich der Protagonist in bekannter Sprach-Umgebung, muss ich natürlich „nur“ auf individuelle Sprachfärbung achten. (Redet ein Char besonders abgehackt, gestelzt, ausschweifend, …)

Was aber, wenn er auf Fremdsprachler trifft? (*)

„Trömdall sagte etwas, das Kerimor nicht verstand“ / „Rimskjöll sagte etwas auf Fornlog“, geht natürlich für den Anfang. Aber dann wird das langweilig. Außerdem erahnt der Protag ja oft aus dem Kontext, was gemeint sein könnte. Längere Gespräche wiederum gehen als Ratespielchen (für den Leser) gar nicht.

Beholfen habe ich mir mit:

* Übersetzung durch des Urbali mächtige Fornloger (alles klar, hm? ;–));

* Gesten und weiterem Kontext, die den Leser genau wie Kerimor (hoffentlich) erahnen lassen, was wie gemeint ist;

* Antworten oder Kommentaren Urbali Sprechender, die – indirekt – erklären, was da auf Fornlog gesagt wurde.

Aber eben: was da auf „Fornlog“ gesagt wurde!

Fornlog?

Kann sein, dass ich es umbenennen muss. Ich hoffe nicht.

Kerimor ist muttersprachlich Altumane, spricht aber normalerweise Urbali, gegebenenfalls Narbosin. (Tjaja 🙂 ) Trömdall, Rimskjöll, Gjerrid etc. sind „Fornloger“ und sprechen (untereinander oder wenn sie Kerimor ärgern wollen) Fornlog. (Die meisten zum Glück auch Urbali, zahlreichen Handelsfahrten sei Dank.)

Tolkien hat ja bekanntlich für Mittelerde eine eigene (Elfen-)Sprache erfunden. Für einige Völker in Grimos und Kerimors Welt bewege ich mich übelst auf ähnliche Verstiegenheiten zu, wollte es mir für »Würmerfraß« aber doch erst einmal einfacher machen.

Um nicht durch zu viele „Spezialitäten“ von der Geschichte an sich abzulenken, sollten die Fornloger ruhig als eine Art oller Wikinger erkennbar sein. Als etwas (in Fantasykreisen) Gewohntes. Schlimm genug, dass sie „Segjas“ statt „Skalden“ haben.

Fornlog als nordisches Platt also? Oder Friesisch? Oder Althochdeutsch? – Alle drei sind hier und da eingeflossen. Sie sind mir selber aber zu ungeläufig und zum Teil dem modernen Deutschen (und damit Urbali ;–) ) noch zu ähnlich (ja, doch!).

Also kam ich auf Altisländisch.

Was mir nun ebenfalls nicht gerade geläufig ist, ABER ich habe ein Lehrbuch dafür, jaha! (Was sich so alles an Flohmarkt- und Altpapierfunden ansammelt …)

Einen Altskandinavisten wird es gruseln. (Ebenso einen etwaigen Übersetzer, aber das ist wieder ein anderer Punkt.) Er wird zu viel verstehen, um den „Kerimor-Effekt“ zu haben, und zugleich zu viele Fehler finden, um sich an diesem modernen Gebrauch des Altisländischen zu erfreuen. Aber wieviele meiner Leser werden geübte Altskandinavisten sein? – Eben.

Alle anderen dürfen sich im Enträtseln einzelner Passagen oder Worte üben, gelegentlich amüsieren und zudem herausfinden, woher das Wort „Ski“ stammt! 🙂

Eure Irja.

(*) In Fantasy-Geschichten versteht ja allgemein Jeder Jeden. Sonderbar eigentlich. Ein durchaus diskussionswürdiger Punkt! Aber nicht hier und jetzt.

Zum Thema „Anachronismen“ in historischen oder Fantasy-Romanen siehe den Hinweis von Jery Schober
auf ihren Artikel im WritersWorkshop E-Zine vom Juli!

Advertisements

2 responses to this post.

  1. Oh, danke für den Hinweis auf meinen Artikel *blush*
    Ich hab früher, als ich jung war und viel Zeit hatte, mit Enthusiasmus Sprachen erfunden. Einmal Linguist, immer Linguist 😉
    Mittlerweile erfinde ich nur mehr genau die Ausdrücke, die ich in der Geschichte sofort brauche. Mein Worldbuilding ist zusammengeschrumpft auf das absolut Essentielle, weil teilweise gut ist, weil ich mich so nicht mit Dingen beschäftige, die ich nie brauchen werde, teilweise schade, weil es mir immer viel Spaß gemacht hat. Aber der Tag hat nun mal nur 24 Stunden, und der Großteil geht für Job und Schlafen drauf. Da musste ich lernen, mich zu beschränken oder nie über die Planungsphase eines Romans hinauszukommen.

    Antwort

    • Immer gern! Wozu machen wir denn so ein „Networking“? 😉
      So, Linguistin … Ja, dann! 🙂
      Nee, für 1 (Kurz-)Roman eine ganze Sprache erfinden, dazu hätte ich auch weder Lust noch Zeit. Daher greife ich gerne auf Vorhandenes zurück. Andererseits werden sicher noch mehr Geschichten in dieser Welt spielen, da lohnt es sich schon eher, Erfundenes festzuhalten und nach Bedarf weiter zu entwickeln. (Zumal es auch zeitraubend wäre, sich jedes Mal erneut Gedanken über eine Sprache/Ausdrücke zu machen. Lieber in der Wörterliste nachschauen und einfügen! 😉 )
      Irja.

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: