Schweinehündisches Verlangen nach Instant King

„Have you experienced push-back because you weren’t an instant Stephen King or JK Rowling?“,
fragt Kristen Lamb nach einer ihrer Schreib-Lessons.

Ach ja …
Wer nicht?
(Stephen King vermutlich – aber selbst der erzählt in seinen Schreibmemoiren von frustrierenden Anfängen. Auch wenn er, wie mir scheint, in besseren Zeiten lebte, in denen Geschichten noch was wert waren …)

Der eine Teil dieses Verlangens nach „I want it all, and I want it now“: die immer wieder hervorkriechenden Zweifel über das, was und wie man schreibt.
(Die Nie-Zweifler beneide ich dabei durchaus nicht, denn sie verpassen es, sich Gedanken über sich, ihre Arbeit und deren Art und Umfeld zu machen.)

Beim Was muss man sich wohl einfach ein dickes Fell zulegen: „Ich schreibe, was ich will, nicht was Der Markt (vermeintlich) fordert.“ Dem Markt rennt man ohnehin immer nur hinterher, wenn man nicht schon „oben“ mitsurft.

Dem Wie helfen anfangs Schreibratgeber und -seminare (noch viel zu wenig genutzt!) sowie Rückmeldungen von Testlesern, Kolleginnen und Kollegen auf die Sprünge. Letztendlich aber wohl nur … Erfolg.

Tja, und das ist der zweite (und üblere) Teil der schweinehündischen Frustrationsstrategie: Der Erfolg lässt meistens auf sich warten. Keine steile King-Karriere. Kein Millionenerfolg schon nach nur sechs oder sieben Absagen.

Ich gestehe: Gegen diesen Schweinehund habe ich selber noch kein wirklich probates Mittel, zumindest keines, das bei allen Schweinehundgeplagten wirken kann.

Meine „Glücksteemischung“: Ein Teil Zuspruch von ein paar Leser-Freunden, die „jetzt langsam mal wieder was“ von mir lesen wollen („Wird das bald?!“) + Ein Teil Überzeugung: Schreibend Geschichten zu erzählen, ist das, was ich kann. Also sollte ich es tun. + Zwei Teile Schreiben-Wollen und -Mögen.

Was für Zutaten empfehlt ihr?

Irja.

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11 responses to this post.

  1. Hallo Irja!

    Ich glaube, ein Trick bei dem auf sich warten lassenden Erfolg ist, dass man nicht darauf angewiesen ist, vom Schreiben leben zu müssen, denn dann kann man das Schreiben angehen mit der Einstellung, dass man das schreibt, was man gerne Lesen würde. Und wenn etwas dabei herauskommt, dass sich verkaufen lässt, ist es OK. Und wenn es sich nicht verkaufen lässt, dann hat man wenigstens eine Geschichte, die man selber interessant findet (und mit der man, wie das immer so ist, natürlich voll unzufrieden ist, aber das ist ein anderes Problem).
    Sehr aufbauend ist es, wenn Freunde die Geshcichte an ihre Freunde weitergeben, und dann jemand, den man nicht mag, sagt: „Das ist aber eine tolle Geschichte“. Das war bei mir der Moment, wo ich dachte, dass ich doch etwas richtig mache beim Schreiben 🙂

    Viele Grüße

    Peter

    Antwort

    • Hallo Peter!
      Stimmt, man kann das Schreiben viel gelassener angehen, wenn man davon nicht leben muss!
      Allerdings bräuchte ich Geschichten „nur für mich“ gar nicht aufzuschreiben. Ich schreibe also für Leser. Und in diesem Bereich wird „Verkaufbarkeit“ schnell zur leicht messbaren Erscheinungsform von „Anerkennung“ oder gar „Qualität“. – Ein Trugschluss! Auf den man aber leicht hereinfallen kann.
      Lob aus dem Mund eines Nicht-Freundes hat natürlich einen besonderen Wert! (Zumindest, wenn der Lobende nicht gerade bekanntermaßen Trash & Trivia schätzt … ;–) )
      Schöne Grüße,
      Irja.

      Antwort

  2. Gibt es deine besondere Glücksteemischung schon fertig verpackt zu kaufen, oder muss ich mir meine weiterhin selbst zusammenstellen? Die klingt gut, ich würde für mich nur auf 2 Teile Schreiben-Wollen und 2 Teile Schreiben-Mögen erhöhen.

    Antwort

  3. Instant Erfolg ist wohl so selten wie ein Gewinn bei den Euromillion.

    Aber wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann dann das: Mit Mainstream gibts keinen Überraschungs oder Instant Erfolg. *zwinker*

    Antwort

    • Ach, hast Du das schon ausprobiert? 😉

      Antwort

      • Nope, aber man muss ja nur gucken welche Bücher Erfolge einheimsen. Prominentestes Beispiel ist wohl die Twilight Sache… und da kann niemand sagen, dass das Mainstream war.
        Andere Beispiele die direkt an dem aktuelle Mainstream vorbei gingen und sehr erfolgreich wurden: Harry Potter & A Game of Thrones.

      • Hm, ich dachte, Twilight wäre so richtig Mainstream … Also, mir sieht es jedenfalls immer danach aus, wenn ich eins dieser Bücher einmal wieder vor mir sehe. Und so richtig un-mainstreamig geschrieben ist es auch nicht gerade … 😉

  4. Posted by Hanna M. on 8. September 2014 at 20:31

    Hallo Irja, das geht mir im Moment leider auch so. So merkwürdige kleine Zweifel trage ich auch schon länger in mir, doch jetzt habe ich auch noch das neue Buch von Waldscheidt „Klüger Publizieren“ gelesen und das hat mich richtig frustriert. Im Moment überlege ich gerade, ob ich überhaupt jemals publizieren soll. Vielleicht reicht es mir ja, wenn mir der Literatur-Nobelpreis posthum verliehen wird, wenn man meine Bude ausräumt und zwei Tonnen Papier findet. Ich weiß es noch nicht. Fest steht für mich eins: Ich werde mir auf keinen Fall den Spaß am Schreiben verderben lassen. Und wenn das mit sich bringt, dass ich mich niemals ernst nehmen darf, dann ist das eben so.
    Liebe Grüße
    Hanna

    Antwort

    • Hallo Hanna,
      nichts gegen Ratgeber, nein, durchaus nicht, aber … Ich fürchte, Waldscheidt gehört nicht zu den Leuten, die einem Mut machen. Wobei das beim Thema „Publizieren“ auch schwierig ist. Wahrscheinlich war es nie so leicht wie heute, etwas zu „publizieren“, und nie so schwer, in der Masse auf sich aufmerksam zu machen.
      Versuch es zuerst mit Verlagen und Agenten. Erst, wenn da gar nichts zu hoffen ist, im Alleingang. (Für weitere Details ist so ein Kommentar leider der falsche Ort. Dasselbe gilt für das Thema „Sich-ernst-Nehmen“.)
      Auf die Posthumosität 😉 hoffe ich auch. Vergiss nur nicht, auch alles auf säurefreiem Papier auszudrucken, damit dann auch was zu finden ist! 😉
      Liebe Grüße,
      Irja.

      Antwort

    • Hallo Hanna,
      (noch ’n Kommentar 😉 )
      nach der Leseprobe (Kap. „Vorschuss“) im Writers Workshop-Ezine scheint mir Waldscheidts Publikations-Ratgeber gar nicht so schlecht. (Weil: neutral und realistisch.)
      Natürlich ist das erst einmal ein Schock, wenn man sich als hoffnungsvolle Autorin mit der harten Realität dieser Welt und damit auch des Buchgeschäfts konfrontiert sieht. Aber Waldscheidt scheint mir durchaus auch gangbare Wege zu zeigen.
      Mein Tipp:
      Vergiss alle Träume vom Geldverdienen (mit Schreiben), verschleudere Dich aber auch nicht! – Mache Dir immer wieder einmal klar, was Deine Ziele sind (beim Schreiben und beim Publizieren). – Such Dir Testleser (einzelne oder Gruppe), die offen an Deine Texte herangehen und zugleich konstruktive Kritik üben (können und wollen). – Nimm an Ausschreibungen teil, für Romane bewirb Dich bei Verlagen. – Übe Dich in Geduld …
      Und damit: Viel Glück! (Das braucht man nämlich auch. Immer.)
      Liebe Grüße,
      Irja.

      Antwort

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