Der neue Roman: Weltenbau mit Kräuterschnapps (II)

Liebe Lesende, Schreibende und Weltenbauende,

soviel Gedöns für einen Kräuterbrannt?!

Nun, er ist ein feines Beispiel für das, was ich mir als Fantasy-Autor beim Bau einer Welt und Geschichte alles überlegen kann oder sollte.

Anregungen und Bausteine stammen logischerweise aus der realen Welt, in der ich lebe. Meine Phantasie (so geschrieben, um diese geistige Fähigkeit vom Literaturgenre namens Fantasy besser zu trennen) kombiniert sie nach Bedarf neu.

Aber was ist der „Bedarf“?

Wenn ich für meine Geschichte eine besonders fremde, verfremdete oder exotische Welt brauche, bekommt Kerimor einen Ayababrannt mit Baley’a, Chrk und Daradra’um versetzt zu schmecken. Aber schmeckt den auch der Leser?

Und wie weit gehe ich? Ist das dann überhaupt noch ein „Brannt“ oder „Schnaps“? Kann man dazu noch „Nüsse“ oder ein Stück „Brot“ knabbern, oder sollte man dazu nicht besser Efausen morken und Falay galpern? Darf ich Tisch noch Tisch und Stuhl noch Stuhl nennen?

Da grüßt Tolkien mit selbst erfundener Elfensprache freundlich von seiner Wolke, während ihm ein Dadaistenschelm heimlich Eselsohren macht! 😉  Wer Pangalaktische Donnergurgler einführt, sollte sie auch beschreiben können. (Und warum klingt das dann immer noch so … irdisch?! ;–) )

Also bleiben wir doch gleich auf unserer Erde, drehen sie ein wenig durch den Häcksler der Historie und fügen noch einen Esslöffel Magie samt einer Prise Zwerge, Geister oder Drachen hinzu, fertig. Oder? – Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich ziemlich viele moderne Fantasy-Autoren an dieses einfache Rezept halten.

Wer Martin Millars »Elfen von New York« kennt, weiß, was für feine Geschichten trotzdem dabei herauskommen können! Und der allbekannte H. P. ist auch nicht zu verachten (oder, wer es lieber horrorig mag, gelegentlich auch der nicht mehr so moderne Cth.von H. P. L.).

Mich selbst reizen eher die Buntheit und die Spielmöglichkeiten erdachter Welten.
Womit ich wieder bei der Frage ihrer Andersartigkeit bin.

Ich denke, es kommt auch auf die Länge und den „Zweck“ der jeweiligen Geschichte an. Fremdheit ist anstrengend, für den Autor wie für den Leser. Zugleich ist sie gut für Aha-Effekte oder aber für Urlaubsstimmung – mal raus aus den immer gleichen vier Wänden des Gewohnten!

Vertrautes dagegen ist hübsch einfach zu konsumieren bzw. lenkt nicht von komplizierten Plots und Charakteren ab. Dafür landet man schnell in eingefahrenen Denkgleisen und macht dann manchen Schwenk nicht mehr mit.

Und dann ist da noch unsere gegebene Sprache mit ihren Regeln und Begrifflichkeiten! (Die immer mehr Schreibende und noch mehr Lesende nicht mehr beherrschen, aber das ist wieder ein ganz eigenes Thema …)

Man wird sich also immer irgendwo durch die Mitte schlängeln müssen.

Darum schmeckt Kerimor in »Würmerfraß« aus Trommes Kräuter-Honig-Brannt denn auch „Dill“ und etwas „Anis“-Ähnliches heraus, dazu aber auch „Kuhblumen“ (was durchaus irdisch, aber vielleicht nicht allen geläufig ist) sowie etwas, das er nur als „Azzup“ kennt. Am Kräuterstand fachsimpelt er allerdings auch schon mal über „Nipperdei“, „Mirselwurz“ und „Sylpherich“.

Und es gibt Hühner, Fische, Pferde. Aber auch Milambanen und Trobonten (auch wenn sie in dieser Geschichte nur in Teilen oder als Reminiszenz vorkommen, sorry).

Und jetzt bibiere ich meinen Camellia-Aufguss weiter und pästle noch etwas am Würmerfraß!

Eure Irja.

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4 responses to this post.

  1. Posted by Hanna M. on 7. November 2014 at 22:00

    Das hört sich wirklich schwierig an, bin ich froh, dass ich nicht Fantasy schreibe, obwohl ich gute Fantasy sehr mag.

    Antwort

    • „Real-Romane“ bedürfen dafür oft eingehender Recherche. Das ist auch aufwändig. Hat beides Vor- und Nachteile. Und beides hilft einem beim Versuch, die Welt zu verstehen …

      Antwort

  2. Heute Back ich, morgen Brau ich Übermorgen fällt mir auch noch was ein :3

    Antwort

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