30 Tage übers Schreiben bloggen – 28: Figuren mit Behinderung

Liebe Lesende und Schreibende,

zum Abschluss dieser Reihe noch eine, wie ich finde, wirklich interessante Frage:

Hast Du schon einmal eine Figur mit körperlicher oder geistiger Behinderung entworfen? Erzähle uns davon.

„Nein“, wollte ich gerade antworten, aber stimmt das? – Was gilt als körperliche, was als geistige Behinderung?

Bei Grimo – nein, bisher zumindest nicht. (Die alte Kriegsverletzung, die den „alten Kämpen“ ab und zu ärgert, lasse ich nicht gelten.)
Bei Jost und Kunz ist auch keiner behindert, sofern man nicht Kunzens Krankheit gelten lassen will.
In meinem neuen Roman spielt eine Frau eine wichtige Rolle, die heftig entstellt ist – gilt das schon? (Und mindestens eine weitere Figur ist geistig ziemlich abgedreht – allerdings wohl nicht genug, um auf „unzurechnungsfähig“ zu plädieren.)

Aber die Frage bringt mich durchaus auf Ideen … Warum nicht? Eine körperliche oder sogar geistige Behinderung, die zum Anlass und Thema oder zumindest wichtigen Faktor der Geschichte wird … Ins Ideenlager kommt das auf jeden Fall!

Wie sieht es damit bei euch, werten Kolleginnen und Kollegen, aus?

Eure Irja.

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20 responses to this post.

  1. Posted by Texthase Online on 4. Februar 2015 at 19:10

    ’nabend Wiesenirja,

    endlich komme ich dazu, Dir zu antworten. Diese Dinger hier 🙂 oder auch das hier 😉 wird je nach Darstellungsart und Vorleseprogramm als Ssmiley oder blinzelnd vorgelesen. Wenn die Darstellung nicht stimmt, dann wird entweder die Zeichenfolge oder gar nichts gesprochen. Also ist es wie im richtigen Leben, wo man manchmal das Starren, Grinsen oder Lächeln spürt und manchmal eben nicht! 😉 Daher kommt es wohl auch, dass ich nicht alle, eher sogar nur wenige Emmotikons kenne. 🙂

    Bei den Sinnesbehinderungen ist es vielleicht gar nicht so schwer. Beschreibt man eine blinde Person muss man ja nicht in jeder Situation beschreiben, was sie nicht sieht. Das ist ja nur unter bestimmten Bedingungen wichtig, störend für ihn oder sie und für die Geschichte von Belang. Was ist zu hören? Wie riecht der neue Kollege? Wie fühlt sich die Luft an? Das kann man sogar gut üben, wenn man zum Beispiel nachts wach liegt, der Nachbar nach Hause kommt……..

    Und ja, die Einfühlung kann eine unheimliche Hypothek sein! Da muss man aufpassen wie ein Schießhund.
    Wie wär’s mit einem blinden oder körperbehinderten Testleser?

    Liebe Grüße

    Christiane (Texthase Online)

    Antwort

    • Gut, dann weiß ich: nicht zu viel mit Smilies herumfantasieren! 😉
      Ja, das nächtliche Wachliegen ist eine gute Übung.
      Und wenn ich diese Rollenspiel-Geschichte jemals als Roman oder Erzählung ausarbeite, würde ich mich tatsächlich freuen, wenn ich blinde Testleser fände. Das wird aber sicher noch eine Weile dauern.

      Antwort

  2. Posted by Christian Weis on 31. Januar 2015 at 14:04

    Ich schreibe gerade an einer Geschichte, die nicht funktionieren würde, wenn der Protagonist nicht körperbehindert wäre. Die gesamte Medizinforschung baut darauf auf, Krankheiten und Behinderungen zu lindern oder zu heilen bzw. beheben.

    Einschränkungen, Defizite, Gebrechen – oftmals schwierige Themen, die aber viele Möglichkeiten bieten, eine gute Geschichte zu erzählen.

    Antwort

    • Stimmt! Ich hatte die „30-Tage“-Frage allerdings so verstanden, ob man schon einmal einen behinderten Char in einer Geschichte hatte, die _nicht_ Behinderung (oder deren Heilung etc.) zum Thema hatte.

      Antwort

  3. Hat dies auf Waldhardt Verlag rebloggt und kommentierte:
    !

    Antwort

  4. Posted by Texthase Online on 27. Januar 2015 at 19:00

    ’nabend Irja,

    in meinem Roman, der noch den letzten Schliff braucht, ORca: Zeit der Schatten, ist die seeehr große Hauptfigur ein Mädchen von 13 Jahren, dessen Gesicht durch Fritierfett entstellt ist, und die sich im Verlauf mit einem alten Herrn im Rollstuhl anfreundet. Das eine Buch, das ich blogge, handelt von einem Schutzengel, der das Leben einer Frau in Ordnung bringen muss, die als Kind durch einen Unfall erblindet ist und bei einem weiteren Unfall ihre Sprache verliert. Im Felicitasprojekt gibt es möglicherweise auch eine junge Frau, die blind und sprachbehindert ist, was ja leider von vielen Menschen zu einer Behandlung führt, als ob jemand geistig behindert ist.

    Naja, ich bin selbst von Geburt vollblind und auch mit geistig- und lernbehinderten Blinden aufgewachsen. Psychiatrie, psychische Erkrankungen gibt es häufiger in der Literatur. Mittendrin ist auch daneben, ist ein Buch, in dem eine taubblinde Frau eine bedeutende Figur ist. Die Autorin habe ich vergessen. Bei der jungen Frau, die blind und sprachbehindert ist, hatte ich mir zunächst überlegt, dass sie vielleicht tatsächlich eine geistige Behinderung durch den Unfall davon getragen hat. Aber das war mir in diesem fall zu viel. Aber ich könnte mir schon vorstellen über eine geistig behinderte Person zu schreiben, obwohl man sich sehr gut einfühlen muss. Kenzaburo Oe hat über seinen geistigbehinderten Sohn geschrieben, das ist aber natürlich etwas anderes.

    Liebe Grüße

    Christiane

    Antwort

    • Hui, das sind schon eine Menge interessanter Romane beziehungsweise Projekte mit Behinderten. Als selbst Betroffene wirst Du das auch gut schildern können. Als nicht Betroffene muss man sich da ganz schön anstrengen.
      Ich muss meine obige Antwort übrigens selbst korrigieren. Im Fantasy-Schreib-Rollenspiel habe ich mal einen Blinden gespielt. Für den Anfang habe ich mir eine Binde über die Augen gelegt und versucht, mich so zurecht zu finden. So habe ich ein klein wenig das Gefühl dafür bekommen. Anstrengend!

      Antwort

      • Posted by Texthase Online on 28. Januar 2015 at 19:44

        Ob Selbsterfahrung gut ist, hängt auch vom Umgang mit Erfahrungen allgemein ab. Menschen verarbeiten Erlebnisse ja ganz unterschiedlich. Ich denke beispielsweise daran, dass ich sehr viel über Blindheit, Blindheit im Alter und über langsames Erblinden gelernt habe, als ich im DunkelCaffé und bei der Ausstellung im Dunkeln gearbeitet habe, was Beides nicht sehr lange war. Andere Mitarbeiter haben nur erlebt, wie toll sie Sehenden Blindheit zeigen können. Solche Sachgen stellen sich erst in Gesprächen ‚raus. Und deshalb würde ich sagen, dass der Kontakt mit Behinderten vielleicht wichtiger ist als in die Lebenssituation zu schlüpfen. Aber auch das ist eine Frage der eigenen“Erfahrungsverwertung“. Mir gehen die Extreme inzwischen ziemlich auf die Nerven. Entweder die Leute sind gaaaanz toll oder seeeehr hilflos. Und in die Fallen tappen die Betroffenen genauso gern und regelmäßig wie die, die über behinderte Menschen schreiben.

      • Da gebe ich Dir in jedem Punkt recht.
        Ich selbst hatte übrigens schon Blinde (und andere körperlich Behinderte) in meinem Bekanntenkreis, allerdings nicht zu der Zeit, als ich diesen blinden Charakter spielte. Was sich im Spiel schlicht so ergeben hatte. Ich war halt noch nie selber in der Situation, ohne zu sehen nach etwas tasten zu müssen, das jemand irgendwo auf den Tisch legt, unversehens (ja, genau) auf unebenem Untergrund zu laufen oder jemanden direkt vor mir stehen zu haben, den ich nicht sehe. Das wollte ich aber beschreiben können.
        Das ist die alte Frage, ob ein Autor über etwas schreiben kann, das er noch nie selbst erlebt hat. – Meiner Erfahrung nach geht das, wenn er wirklich Phantasie und Einfühlungsvermögen hat.
        Übrigens eine zweischneidige Gabe. Man muss dann nicht selber im Krieg gewesen sein, um einen Söldner so zu schildern, dass ein Berufssoldat mit Kosovoeinsatz einem sagt: ‚Verdammt gut getroffen.‘ Dann geht man aber auch bei manchen Filmszenen und erst recht Nachrichten lieber aus dem Zimmer. :-/
        (Ach ja: wie werden Dir eigentlich Smilies vorgelesen?)

  5. Hat dies auf Wenn Tinte aus den Fingern fließt… rebloggt und kommentierte:
    Sollte man sich mal Gedanken drüber machen.

    Bei mir gibt es momentan tatsächlich etwas in der Richtung bei einer Hauptfigur, allerdings weiß ich nicht ob das als Behinderung gilt oder nur als Krankheit – habe ich nicht nachgeschlagen.

    Antwort

  6. Hat dies auf Wunderwaldverlag rebloggt und kommentierte:
    Yes!

    Antwort

  7. Geistigen Behinderungen sind immer schwerer darzustellen als Körperliche. Besonders weil man eben (zum Glück) keine eigene Erfahrung damit hat und eigentlich nur einen Teil der Auswirkungen kennt.

    Antwort

  8. Posted by Hanna M. on 27. Januar 2015 at 15:41

    Hinkende Kerle oder fehlende Körperteile findet man öfter mal in Büchern. Aber geistige Behinderung doch eher weniger. Geisteskrankheit ist da eher verbreitet, im Grunde sind Serienmörder und viele Killer in Büchern wohl krank, ohne der Krankheit einen Namen zu geben. Ich habe es mal mit paranoider Schizophrenie versucht und im Zuge der Recherche zwei Bücher darüber gelesen. Fand es aber nicht einfach, eine Figur mit dieser Krankheit zu entwickeln und dann auch mit der Figur zu schreiben. Die Reaktionen, die ich für meine Handlung gebraucht hätte, entsprachen oft nicht dem echten Krankheitsbild. An echte geistige Behinderung würde ich mich im Moment nicht herantrauen. Aber du hast recht, im Grunde spricht nichts dagegen.

    Antwort

    • Tja, was ist „krank“? So mancher reale Mörder o.ä. hat geistige Anlagen, die ihn unter anderen Umständen zum General oder zum Unternehmensmanager befähigt hätten … (Das stammt nicht von mir, sondern von Psychos!)
      Aber an „echte“ geistige Behinderungen würde ich mich im Moment auch nicht heran trauen. Beziehungsweise fällt mir im Moment auch keine Geschichte ein, die ich in dieser Richtung schreiben wollte.
      Prinzipiell interessant finde ich die Fragestellung allerdings. Sogar für Fantasy!

      Antwort

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