Das Buch über Bücher. Und Digitalisierung. Und …

Liebe Lesende,

eine gute Bekannte empfahl mir das Buch, und wir machten bei der Bücherei einen „fliegenden Wechsel“: sie gab es zurück, ich lieh es sofort aus. Dann lag es eine Weile bei mir auf dem Nachttisch. Endlich begann ich zu lesen – und las – und las – und … Nein, nicht gerade in einer Nacht, aber doch ziemlich in einem Rutsch durch.

Das Buch: Robin Sloan, »Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra« (orig.: »Mr. Penumbra’s 24-Hour-Bookstore«, 2012).

Der Ich-Erzähler Clay Jannon, Kunstakademiker und Webseiten-Desginer, bekommt einen Job in Penumbras Buchhandlung. Obwohl er die Nachtschicht hat, kommen immer wieder Kunden, die dringend nach bestimmten Büchern fragen. Nicht nur, dass er darüber genau Buch zu führen hat, sondern die Anforderungen scheinen einem Muster zu folgen.

Irgendwann übertritt Clay das Verbot, die herausgegebenen Bücher selbst anzusehen, und sieht: sie sind codiert. So kommt er in Kontakt mit der alten, Kulturen übergreifenden Geheimgesellschaft vom Ungebrochenen Buchrücken, die das Geheimnis der Unsterblichkeit ergründet, der dahinter stehenden Firma Festina Lente und ihrem Chef Corvina. Letzterer lehnt Digitaltechnik vehement ab, obwohl die Firma von Lizenzen für eine in Computern verwendete Schrift, die „Gerritszoon“, lebt.

Mit Hilfe alter und neuer Freunde und seiner Lieblings-Fantasy-Trilogie, den „Drachenlied-Chroniken“ von Clark Moffat, schafft Clay den Spagat zwischen alter und neuer Technik, Papier und Digitalisierung, einem originalen Lettersatz aus dem 15. Jahrhundert und GoogleBooks und entschlüsselt das gesuchte Geheimnis. Es ist nicht ganz das Erhoffte, aber ein hoffnungsvoller Ausblick.

Lebendig und ideenreich entwirft Sloan eine Vision, wie physische und digitale Welt zusammenarbeiten könnten. Herrlich sein Spiel mit realen und fiktiven Büchern und Personen. (Die „Gerritszoon“ könnte für Garamond stehen, Aldus Manutius gab es wirklich, Moffat und seine – auszugsweise zitierten! – Drachenlied-Chroniken dagegen nie – etc.)

Inzwischen ist Sloans schöne Vision leider negativ überholt, aber was ist der Mensch, wenn er keine Ziele für die Zukunft mehr hat?

Eure Irja.

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