Reaktionen

Der Roman findet erste Leser …

Schicke keinen Text in die Welt hinaus, den nicht mindestens ein kritischer Geist probegelesen hat! – So hielt ich es auch mit den »Drei Tropfen Blut«. Zurück kamen hilfreiche Anmerkungen zur Überarbeitung, insgesamt waren meine Leserinnen und Leser aber begeistert genug, dass ich den Roman zum Verlag schickte.

… und erhält eine erschreckende Abfuhr

„Natürlich“ wurde der Roman nicht genommen. Ich fürchte, wenn ein Debütroman gleich vom ersten Verlag akzeptiert wird, ohne dass man ordentlich „Vitamin B“ zufüttert, dann stimmt etwas nicht. Dieser Verlag war immerhin so freundlich, eine kurze Begründung der Absage zu geben. (Was keineswegs normal ist, schon gar nicht bei einer Ausschreibung.) Diese Begründung allerdings … ließ nicht nur mich, sondern auch sämtliche meiner Bekannten fassungslos schlucken (sofern sie es nicht vorzogen, vor Empörung an die Decke zu gehen).

Man bedenke: Wir befanden uns bereits einige Jahre im 21. Jahrhundert und nicht im Bible Belt der vielgeschmähten U. S. A. Dennoch war da allen Ernstes zu lesen:

Der Inhalt sei nicht jugendfrei; gleichgeschlechtliche Beziehungen seien nicht normal, sonst hätte uns „die Natur“ ja nicht als „Männlein und Weiblein“ geschaffen; Texte, die so etwas als normal hinstellten, hätten „immer einen Nachgeschmack“, und Geschichten mit „gleich mehreren“ homosexuellen Hauptfiguren gingen schon gar nicht.

Ich bin immer noch erschüttert. Ich hatte mit vielem gerechnet, nur nicht mit solch einer Rückständigkeit, Borniertheit, Bigotterie und Intoleranz!

Zugleich muss ich aufpassen, nicht loszuprusten: Die »Drei Tropfen Blut« nicht jugendfrei?! Zwei (schwule Protagonisten) sind gleich mehrere? Und bitte verzeiht, liebe Homophobe, aber: Autofahren ist nicht natürlich, Homosexualität aber durchaus. (Zudem dürften die in Fantasy-Geschichten so beliebten Rothaarigen in unseren Landen prozentual unnormaler sein als gleichgeschlechtlich Liebende, aber das nur am Rande.)

Immerhin: Ich versuchte mir die Geschichte anders zu denken, brav nach Männlein-Weiblein-Manier. Aber sie sträubte sich. Ebenso meine mehreren schwulen Protagonisten. Jost war nun einmal Jost, Kunz weigerte sich, zur Gräfin zu werden, und Josts Schwester hatte anderes zu tun, als eine Vampirjägerin zu spielen, nur damit ein paar Ewiggestrige und Homophobe befriedigt wären.

Andere Reaktionen

Die Reaktion meiner Bekannten, denen ich von der Absagebegründung erzählte und den Text zu lesen gab – darunter nicht-schwule Männer und Katholikinnen von 20 bis über 80 Jahren – beruhigte mich wieder:

„das ist ja ne sauerei! (…) da könnt man sich echt aufregen!“„witzige (…) dialoge, sympathische kerle“„Ich fand gerade den schwulen Vampir so witzig, eben mal was Anderes. Doch ich stimme Dir zu, der Lektor lebt Anfang 1900, nee, eher Mitte …“„also, diese Begründung ist echt eine Frechheit! Dass es sowas in der heutigen Zeit noch gibt, hätte ich nicht erwartet“„unglaublich, dass jemand in der heutigen Zeit schreibt, eine gleichgeschlechtliche Beziehung wäre nicht das Normale (…) das finde ich sehr traurig.“„Unverschämtheit! (…) steckt da eine Sekte dahinter? da sollte man einen  Kriminalbeamten einschalten!“„die (…) nur sehr dezent angedeuteten homoerotischen Szenen fand ich weder störend noch zu ‚plastisch‘ dargestellt (…). Wenn das schon die gewisse Leute aufregt: Du meine Güte …“.

Damit blieb es dabei: Jost ist Jost, und Kunz ist Kunz, und wer damit nicht zurande kommt, soll zu »Twilight« greifen.

weiter

Advertisements

6 responses to this post.

  1. Hat man dir nicht gesagt gehabt, solche Romane schickt man nicht an christliche Verlage? 🙂 🙂

    Antwort

  2. Ich kenne Menschen, die so denken wie die Schreiber der Ablehnung, leider persönlich. Also, ich hätte irgendwie schon damit gerechnet. (Und ja, du darfst ihn gerne so bezeichnen.)

    Antwort

    • Ich hätte – zu jener Zeit – tatsächlich nicht mehr mit so etwas gerechnet. Nicht im Jahre zweitausendundebbes! Aber inzwischen ist man ja schlauer – ich sag‘ nur „Homo-Ehe“ … Man kommt aus dem Kopfschütteln nimmer raus!

      Antwort

  3. Wenn es nicht so bitter wäre, würde ich kichern. Aber es stimmt schon: Hätte die „Natur“ gewollt, dass wir mit Blechkisten durch die Gegend brausen, hätte sie uns Räder gegeben und die Beine erfinden lassen.

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: